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Christliche Mystik  /  Gottes Mystik  /   vorgestellt von Agnus D.  /  anno domini  2005

 

G O T T E S M Y S T I K

 

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gottesmystik.zip

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        Die christliche Mystik im Überblick

                           Definitionen der Mystik
                                              Wahrheit und Wirklichkeit der Gottesmystik
                                                                Gnosis und Mystik
                                                                                        Jesus war gnostisch und mystisch
 

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Im hier Vorliegenden werden wir uns in einer kurzen Abhandlung fast ausschließlich der Mystik aus zentraler christlicher Sicht zuwenden. Andere profane Sichtweisen lassen wir dabei weitgehend unberücksichtigt. Sie sind - wie wir ja später noch sehen werden - für die christliche Gotteserfahrung im Prinzip ohne Relevanz, bzw. Wichtigkeit.

 

 

   

 

Die christliche Mystik im Überblick     ^

 

 

 

Die Mystik hat bezogen auf das Christentum ihren primären Grund darin, dass das Dasein und insbesondere eben Gott der Herr ein tiefes nicht gelüftetes Geheimnis darstellt. So spricht die Bibel an mehreren Stellen vom Geheimnis Gottes und Christi, das deshalb auch nicht in ihr gelüftet sein kann (vgl. Hi 11,7 - Am 3,7  - Mk 4,11  -  Eph 3,4  -  Eph 6,19  -  Kol 4,3  -  Offb 1,20  -  Offb 17,7). Jedoch soll das schon immer unergründliche Geheimnis von Gott, Welt sowie Christus nicht für alle Zeiten ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Für den Schluss aller Zeit hat ja der Herr gemäß der Johannesoffenbarung - dem letzten Buch in der Bibel - eine Offenlegung der Gründe von allem Sein angekündigt. Und zwar durch den, welcher mit seiner Lebensgeschichte in das Mysterium vollständig eindringend es dabei durchlebt hat.

So finden wir ja gleich zu Beginn der Visionen des Johannes Verse, die einem radikalen Selbst- und Weltüberwinder die Allmacht und Göttlichkeit verheißen (vgl. Offb 2,7 /  2,11 /  2,17 /  2,26 / 3,5 / 3,12 / 3,21 / 21,7). Da ist es sicherlich kein Zufall, wenn sich direkt an die eindringlichen Überwindungsverheißungen die Schilderung vom Thron Gottes anschließt, und von demjenigen, welcher darauf sitzt - bzw. der allmächtigen personalen Daseinsmitte, bzw. die Verkörperung des Universums in einer einzigen Person - (vgl. Offb 5,6 /  5,9 /  5,12 /  13,8). Doch hat diese universale Person ein besonderes Schicksal, insoweit es offenbar bei dem Thronenden eine Art Zweiteilung gibt. Da ist er ja einerseits der allmächtige Schöpfer und Herr aller Dinge und Wesen (Offb 4,11), und zugleich andererseits ein völlig Entmachteter quasi als ein seines Selbst Entblößter (Offb 5,6).

Diese Form von christlicher Mystik ist das höchste, was die Bibel einem zu bieten hat. Denn zum einen geht es hier um das Rätsel Gottes, welches identisch ist mit dem des Daseins oder auch dem des Universums. Zum andern wird mit den Lohnverheißungen beim Selbst- und Weltsieg geweissagt, dass unter der Voraussetzung einer besten Eignung dem Menschen grundsätzlich im Wege der Selbst- und Weltüberwindung eine Lüftung des Geheimnisses möglich ist. Dass es diese Aufdeckung aber nicht umsonst gibt, sondern mit einer die personale Identität spaltenden Schlachtung des Allüberwinders verbunden ist, dies ist jenes letzte von ihm zu überwindende Mysterium, bevor er seinen Weltthron auf immer und ewig inne haben kann (Offb 5,12  -  Offb 5,13). Dann endlich sind Gott und Schöpfung vollendet. Denn diese beiden Gegensätze bedingen sich wechsel- bzw. gegenseitig, sowohl einerseits bei der Vollkommenheit, als auch andererseits bei Unvollkommenheit. Ist also die Schöpfung vollkommen, dann ist es auch ihr Schöpfer, und umgekehrt. 

Mystik wird damit zu einem Weg heraus aus der zeitlich tödlichen Unvollkommenheit, hin zum vollkommenen Licht des Lebens. Sie wird bei der Umschaltung der Zeit auf die Vollendung bringende Ewigkeit lebendige Existenzform sein (Offb 21,1  -  Offb 21,4). Und zwar indem jetzt mit dem Neuen das Innen und Außen zur Deckungsgleichheit gebracht wird, was vorher nicht der Fall war. Das neue Außen ist alsdann Innen, und das neue Innen dann auch das Außen. Gegenwärtig stehen sich noch Innen und Außen getrennt als Gegensätze gegenüber. Dadurch ist es möglich, dass z.B. ein gesunder und liebender Mensch von hasserfüllt kranker Gesellschaft umgeben ist, oder ein brutaler Schlächter und Folterer in Machtposition die Menschheit mit Krieg und Vernichtung überzieht.

In der Genesis - der biblischen Schöpfungsgeschichte - wird ausgeführt, dass Gott der Herr Himmel und Erde schuf. Anschließend folgten Wasser, Land, die Pflanzen und Tiere, sowie zuletzt noch der Mensch. In dieser Reihenfolge kennen wir auch die Evolution von Kosmos und Leben, entsprechend der naturgesetzlichen Trennaktivität, wonach sich alles aufspaltend weiter entwickeln muss. Im Unterschied zu den damaligen Verfassern der Genesis wissen aber wir heutigen modernen Menschen dank unserer technischen und zivilisatorischen Errungenschaften, dass ausgehend vom Urknall aus einem totalsingularen Punkt, alles Sein und Leben mithin einer einzigen Wurzel entstammen muss. Am Ende einer solchen Entwicklung von Kosmos und Leben steht gemäß unserem menschlichen Bewusstsein von uns selbst der geistbegabte zur Reflexion und daher auch zur Mystik befähigte Mensch.

 

 

   

 

Definitionen der Mystik     ^

 

 

 

Zunächst die begrifflichen Erklärungen aus dem Wörterbuch rund um die Mystik:  

 

     1. Mystik: Religiöses Verhalten mit dem Ziel einer erfahrbaren Verbindung mit Gott.

              2. Mystik: Geheimlehre

                       Mystiker, Mystikerin: Anhänger der Mystik

                                1. mystisch: die Mystik betreffend

                                         2. mystisch: geheimnisumwittert

                                                  1. Mystizismus: Neigung zu religiöser Schwärmerei

                                                              2. Mystizismus: Wunderglaube

 

Mystik kommt von "myo" (griech. schließen) in der speziellen Bedeutung, dass man die Augenlider schließt, um sich dabei völlig auf sich selbst zu konzentrieren. Mystik meint den auf diese innerliche Weise zu erreichenden Kontakt zum Übersinnlichen und Göttlichen, als ein quasi geistiges Eintauchen in die wie auch immer geartete Transzendenz (vgl. z.B. transzendentale Meditation). Dabei geht es all diesen mystischen Lehren im Letzten um eine Allvereinigung, jener so genannten "unio mystica", bzw. der geistseelischen Einheit des Ichs mit dem All, als dem anzustrebenden sowie zu erlangenden höchsten Ziel im Dasein. Weil man sich hierbei ohne irgend eine Anleitung immerfort un die eigene Achse im Kreise drehen kann, wurden von einigen Leuten schon geheimnisvolle Anleitungen für ein erfolgreiches mystisches Verhalten entwickelt. Unter dem Sammelbegriff  der Esoterik (= Geheimlehren) dürften sie wohl einem damit befassten Fachpublikum näher bekannt sein.

Viele namhafte und berühmte Autoren und Schriftsteller - angefangen von der Antike bis hin zur jüngsten Gegenwart - gelten als Mystiker, weil man in ihren Schriften klare Bezüge zur Mystik feststellen konnte. Indem die Mystik als eine Art individuelle Innenschau ihrer Subjektivität nach dann objektiv ein breites Feld  darstellt, gibt es demgemäß über die Mystik voneinander abweichende Anwendungs- und Verstehensweisen. So zeigen ja einige der Mystiker pantheistische Tendenzen, was im Hinblick auf die zentrale Allvereinigung nicht verwundert. Wieder andere meinen, Mystik sei auch mit nichtchristlicher Esoterik gleichbedeutend, da es ja bei beidem im Kern um das Verborgene bzw. Geheime gehe.

Von der Mystik leitet sich der Mystizismus ab, sozusagen eine Systematisierung der Mystik als Gegensystem zu den Naturwissenschaften, welche auf harten beweisbaren Fakten gründen. In der Mystik gibt es folglich weder Fakten  noch Beweise, weil nun einmal subjektive Innenerfahrungen sich jeder äußeren Überprüfbarkeit entziehen. Damit aber rückt die Mystik in einen gefährliche Nähe zur Psychopathologie. Denn wer vermag schon zu sagen, ob das Erlebte nicht nur Fantasie ist und bleibt. Die Wirklichkeit ist bekanntlich immer das, was wirkt. Aber ein jeder weiß natürlich auch, welche reale tatsächliche Wirkung offenbare Trugbilder zu entwickeln vermögen. Dann verfließen die Grenzen von sowohl objektiver als auch subjektiver Realität. Und wer da nicht die kritische Oberhand behält, und stattdessen in den Strudel der Ereignisse gerissen wird und darin untergeht, der erleidet schweren Schaden an Geist und Seele.

Mystik bedeutet von daher für den ernsthaften Mystiker immer ein äußerst gefährliches Spiel mit der geistseelischen Gesundheit. Einen gewissen Schutz bietet einzigst der christliche Glaube, indem hier klare Grenzen vorgegeben sind, die der Christ im Rahmen seines Glaubens bei sich einzuhalten verpflichtet ist. Dann stabilisieren auch die spirituellen Erfahrungen den Geist und die Seele, und destabilisieren nicht etwa, wie es bei Weltverhafteten und Materialisten fast zwangsläufig die Folge sein muss. Denn wer sein Herz an die Welt der Dinge gehängt hat, der wird dann bei seiner den Gegensatz herauskehrenden Innenschau später mit sich selbst nicht mehr fertig werden können.

Diejenigen, welche das wissen und respektieren, aber von der Mystik nicht ablassen wollen, die machen dann aus ihr eine quasi ungefährliche Philosophie der bloßen Befassung mit ihren Gefühlen und Gedanken. Da geht es sodann nicht mehr nur um eine erleuchtende aber potenziell gefährliche Konfrontation mit dem ganz Anderen, nämlich der eigenen Seele und dem universalen Geist. Dann begeht man Selbstbetrug, und überträgt einfach die gewohnte äußere Welt in das eigene Innere. Was man daraufhin in sich selbst findet, ist das, was man hier - bewusst oder unbewusst - mit hinein genommen hatte. Das ist entweder gar nichts, oder bestenfalls eine andere - kontemplative - Perspektive des Alltags. Nur wer bereits zuvor schon grundlegend Neues in sich hinein gelassen hat, der wird zum Naturgesetz dann etwas entsprechend Neues in sich finden können (Joh 3,3 - Joh 3,7).

Echte Mystik ist darum nur die christliche Mystik. Da geht es um das grundlegende Neue, sowie auch die Wahrheit und Wirklichkeit an sich. Christliche Mystik definiert sich als ein Prozess, wo zuerst in den Menschen der Geist des Alls bzw. Universums einzukehren hat, um unter seinem Einfluss erst dann das Licht eben dieses universalen Geistes in sich entdecken zu können. Eine Innenschau ohne diesen Heiligen Geist führt zu allem möglichen, aber nicht zu dem, was die Grundlage allen Seins bildet. Und die wiederum ist das Leben selbst, quasi das Leben in Person, wie es der Herr von sich selbst sagt. Ohne diesen Heiligen Geist ist die ganze Mystik ein hoffnungsloses sowie gänzlich unnützes Unterfangen (Lk 9,25 - Joh 6,63). 

Bei dem nun zu erwartenden Einwand von Nichtchristen, dass auch die Mystik anderer Religionen das universale Licht zum zentralen Inhalt habe, und dort erlebt werden könne, sei hier entgegnet, was es denn Plato oder Buddha oder Derwischen oder all den Anderen gebracht hat, in sich selbst ein universales Licht gesehen und erlebt zu haben. Ohne die Reflexion, welche den Betrachter in das Licht mit hinein nimmt, bleibt man lediglich ein Zaungast der Schau. Eine Reflexion findet ja nur dann statt, wenn das in einem vorausgegangenen Akt zum Bestandteil der Person gewordene Licht einen mit in eben dieses Licht hinein nimmt, so dass dadurch eine Spiegelung gegeben ist. Sie bedeutet, dass man sich über das Licht selbst erkennen kann, was einem die direkte Teilhabe an dem universalen Licht bringt (Tho 111). Die christlich reflexe Erkenntnis des eigenen Selbst meint, dass man sich seiner Einmaligkeit und seiner Unsterblichkeit bewusst geworden ist. Und so konnten einst Plato, Buddha und Andere zwar von dem erlebten universalen Licht berichten, ohne jedoch wie ein Christ jemals von ihm Anteil erhalten zu haben.

Der Überleben bringenden Teilhabe am Universum in Person, bzw. dem Leib Christi als dem (universalen) Licht der Welt (Joh 8,12), geht grundsätzlich das Heilige Abendmahl voraus. Es versteht sich als ein Empfang des Allgeistes bzw. Heiligen Geistes, und als eine echte persönliche Taufe Jesu Christi. Und die wiederum ist davon abhängig, dass - gemäß den Aussagen Jesu Christi - dem eine tiefgreifende Metanoia (Umwandlung, Veränderung, Bekehrung) der Person vorausgegangen ist (Tho 037 - Mk 10,25 - Mt 18,3). Dann erst sind die erforderlichen Vorbedingungen erfüllt, die Christliche Mystik - zu einer Art geistseelischen Schau des Universums in Person - Wirklichkeit werden lassen, als die so genannte Mystik Gottes oder auch Gottesmystik. Die Bibel verwendet für ein solchermaßen tiefgreifendes Ereignis kosmischer Qualität den mystischen Begriff des "offenen Himmels", gemäß den nachstehenden Versen:

Joh 1,51 Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf des Menschen Sohn!

Apg 7,55 Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; Apg 7,56 und er sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Was subjektiv gesehen und erkannt wird ohne eine Entsprechung in der objektiven Umwelt, das ist innerlich und damit mystisch. Denn wir dürfen davon ausgehen, dass die ihn umgebende Menschenmenge eine solche Vision nicht gehabt hatte, was ja sonst die Steinigung des Stephanus mit Sicherheit verhindert hätte.

 

 

   

 

Wahrheit und Wirklichkeit der Gottesmystik     ^

 

 

 

Alle mystischen Traditionen und Überlieferungen in den fernöstlichen Religionen glauben zu wissen: Das Universum lebt, es ist beseelt, und Gott ist überall. Mehr noch: Der Mensch strebt einem göttlichen Bewusstsein entgegen. Doch das Christentum besitzt seit seinen Anfängen eine alle asiatische Mystik in den Schatten stellende gnostische Basis. Die Mystik als Gnosis findet sich am ausführlichsten im apokryphen Thomastext ausgebreitet. Dort geht es im Kern der Botschaft Jesu um die so genannte "unio mystica", als jener von einem jeden Menschen zum ultimativen Lebensziel anzustrebende Einswerdung mit dem All. Dass diese von Jesus verkündete Gnosis und Mystik keine bloße Theorie sondern ein erreichbares Ziel des Menschen darstellt, das lässt er uns mit den folgenden Sprüchen aus dem Thomastext wissen:

002) Jesus sprach: Wer sucht, der wird finden. Wer an das Innere pocht, dem wird geöffnet. Wer sucht, der suche weiter, bis er findet. Wenn er findet, wird er entsetzt sein, und wenn er entsetzt ist, wird er sich wundern. Über das All wird er herrschen und Ruhe finden.

032) Jesus: Eine Stadt, die hoch auf einem Berg gebaut und befestigt ist, kann weder fallen noch verborgen bleiben. Ich bin das Licht über allem, und das All bin ich.

067) Jesus: Wenn einer das All erkennt, aber sich selbst nicht, so verfehlt er alles. 

077) Jesus: Ich bin das Licht über allem, und das All bin ich. Aus mir ist das All hervorgegangen, und alles ist bei mir angekommen. Spaltet das Holz – ich bin da! Hebt einen Stein auf – ihr findet mich!

Natürlich kann diese Einheit mit dem All immer nur eine über Geist und Seele sich abspielende Vereinheitlichung von allem erreicht werden. Mit der Einsmachung wird konkret das All im Menschen gespiegelt, was dem Allspiegler die Allmacht beschert.

022) Jesus sah, wie Babys die Brust bekamen. Darauf sprach er zu seinen Schülern: Diese Säuglinge gleichen denen, die ins Reich kommen. Sie fragten ihn: Indem wir also uns klein machen, kommen wir ins Reich? Jesus aber sprach zu ihnen: Wenn ihr aus zwei eins macht; wenn ihr das Innere wie das Äußere, das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere macht; wenn ihr Mann und Frau vereinigt, so dass der Mann nicht Mann und die Frau nicht Frau bleibt; wenn ihr mit neuen Augen seht, mit neuen Händen handelt, mit neuen Füßen geht und ein neues Bild aus euch macht – dann kommt ihr ins Reich.

030) Jesus: Wo drei Götter sind, da ist gar kein Gott. Wo zwei eins sind oder nur einer – ich bin mit ihm! Stell den Stein auf, und mich findest du! Spalte das Holz, und da bin ich!

106) Jesus sprach: Wenn ihr aus zweien eins macht, dann werdet ihr Söhne des Menschen. Und wenn ihr dann dem Berg befehlt, sich wegzuheben, so wird er verschwinden.

Wo sich mit der Einsmachung eine Allspiegelung ereignet, sowie mit der dabei erlangten Befehlsgewalt die Allmacht angezeigt ist, da wurde folglich der Mensch Gott, oder umgekehrt Gott dieser Mensch, als damit so genannter Sohn des Menschen. 

Verbunden mit der Göttlichkeit bringenden Allspiegelung ist die unausweichliche Verpflichtetheit zum Dienst an Gott und All, so wie sie uns Jesus demonstrativ und beispielhaft bis zu seinem Kreuzestod vorlebte. Sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung nebst Himmelfahrt und Pfingsten wurden aufgrund dessen zum gültigen Beweis leibhaftig verwirklichter Gnosis und Mystik. Außer ihm wurde in der Weltgeschichte kein weiterer Fall der Deckungsgleichheit von Mensch und Universum bekannt. Er allein verkündete sich ja beim Evangelisten Johannes als das Licht der Welt sowie beim Thomas als das All in Person. Mit seinem qualvoll bitteren Tod am Kreuz hatte Jesus von Nazareth die volle Verantwortung für das Universum auf sich genommen und der Welt bewiesen, dass seine gnostische mystische Existenz kein unwirklicher Spuk war, sondern eine in Ewigkeit währende, unüberbietbare spirituelle Wahrheit einer in dieser Weltzeit noch latent transzendenten aber dereinst immanenten und sodann absolut alles beherrschenden Wirklichkeit. 

Mystische Erfahrungen, welche Wahrheit und Wirklichkeit für sich in Anspruch nehmen dürfen, sind nicht etwa allein durch kontemplative unsere Innwelt betreffende Techniken zu ereichen, sondern immer nur im gleichzeitig intensiven Kontakt mit der Außenwelt. Dass kann man sehr leicht damit verifizieren und nachvollziehen, dass ein kleines Kind von ein paar Jahren, das noch keine nennenswerte Außen- und Welterfahrung besitzt, dadurch noch nicht genügend gespeicherte Informationen hat, um überhaupt etwas in einer Innenschau für sich erkennen zu können. Immer muss zuerst die Außenwelt zumindest in den Grundzügen erfahren und verstanden worden (modern: Input) sein. Erst dann und damit kann eine Innenhinwendung ein verstehbares Ergebnis (modern: Output) haben. 

Wer von Gott nie gehört hat, und wem der Begriff auch sonst unbekannt ist, wird das in sich Erlebte auch in keinen Bezug zu einem Gott setzen können, so dass hier die Mystik als bewusste Gotteserfahrung ausscheiden muss. Dass man auch unbewusst - ohne vom Herrn zu wissen - Übernatürliches erfahren kann, davon zeugen ja die zahlreichen religiösen Mythen der Völker. Zugleich erkennt man an ihnen und ihren unterschiedlichen Ausformungen, wie wenig Information dabei über die Tatsächlichkeit einer Überperson enthalten ist. Die Wahrheit und Wirklichkeit in ihnen reduziert sich dabei auf die bloße und zugleich schwammige allgemeine Vorstellung von der Existenz einer allgemein undefinierbaren Wesenheit im Sinne eines sozusagen höchsten Wesens. Und das kann ja bekanntlich alles mögliche sein, angefangen mit Manitu bei den Indianern Nordamerikas über Schiwa bei den Indern bis hin zum Nirwana bei den Tibetern usw. 

Mit Gott dem HERRN dem biblischen Menschenvater und seinem christlichen Menschensohn hat das erkennbar alles nichts zu tun. Der transzendente Gott des Alten und Neuen Testamentes hatte einstmals im wahrsten Sinne des Wortes über die berühmten biblischen Gestalten und Propheten des alten Israels wenn man so will weltbewegende Geschichte geschrieben. Die Schnittstelle von personaler Transzendenz (Jenseitigkeit) und Immanenz (Diesseitigkeit) kann in dieser Welt stets nur der gewissermaßen auf Empfang geschaltete spirituelle Mensch sein. Wo sich in seinem Geist und seiner Seele der Kontakt des einen zum andern mystisch ereignet, da verwirklicht sich mithin Gnostisches in und an ihm.

 

 

   

 

Gnosis und Mystik     ^

 

 

 

Dem ersten Anschein nach, sind Gnosis (oder auch Gnostik) und Mystik widerstreitende Gegensätze. So bedeutet Gnosis dem Wortsinn nach: Erkennen Gottes bzw. Gotteserkenntnis, was Aktion voraussetzt, mit welcher erkannt werden kann. Hat man erkannt, so kann aus dem Erkannten die Erkenntnis als Produkt dessen folgen. Die Mystik dagegen unterbindet mit dem Schließen der Augen und Lippen zu einer Selbstversenkung jede äußere Aktion. Indem die Gnosis auf einem klaren Außenbezug beruht, hat die Mystik einen ebenso klaren Innenbezug. Dennoch erwartet man gemeinhin von der Mystik ein Erkennen von bisher nicht Erkanntem zu einer dann daraus resultierenden sowie weiterführenden Erkenntnis. Festzustellen ist demnach ein der Gnosis und Mystik gemeinsames Ziel: die Erkenntnis von Höherem, bzw. Übersteigendem bzw. Transzendentem, womit sich ein entsprechend gemeinsamer Schnittpunkt von Gnosis und Mystik ergibt.

Konkret bedeutet Gnosis: Gotteserkenntnis, weshalb dann Gnostik die Lehre von der Gotteserkenntnis ist. Und die Mystik ist ja gemäß oben stehender Definition ein religiöses Verhalten mit dem Ziel einer erfahrbaren Verbindung mit Gott. Wenn also nicht die an der Äußerlichkeit festgemachte Gnosis und die an Innerlichkeit gebundene Mystik den Unterschied von Innen und Außen aufweisen würden, wäre zwischen beiden kein Unterschied feststellbar. Da wir die beiden Begriffe hier nicht miteinander vermengen wollen, gilt es deren Unterscheidungsweisen zu untersuchen. Fangen wir nun bei der Gnosis und ihrer Anbindung an die Äußerlichkeit an.

Auf einen Nenner gebracht könnte man da schlicht sagen: Ohne Aktion keine Reaktion! Oder ein anschauliches Beispiel: Wer immer bloß auf der Couch liegt, und dort sein ganzes Leben verbringt, derjenige wird am Ende über Erfahrungen und Erkenntnissen verfügen, die mit der Couch zu tun haben, und in deren Mittelpunkt die Couch steht. Ob und inwieweit sich Gnosis im Leben eines Menschen verwirklicht, ist abhängig von seiner nach außen gerichteten Einsatzbereitschaft neue Erfahrungen zu machen. Wobei dann hier im Mittelpunkt seines Forschens und Strebens die intensive Suche nach der existenziellen Wahrheit und Wirklichkeit stehen muss. Und indem unser Unterbewusstsein ja auch von unseren  Wünschen und Bestrebungen gesteuert wird, das Unterbewusstsein zu einem sehr großen Teil unsere Entscheidungen wiederum beeinflusst, wird bei solcher Wechselseitigkeit ein sich aufschaukelnder Prozess in Gang gesetzt, welcher nicht ohne einschneidende Resultate bleiben wird.

Insbesondere sind es da nicht für möglich gehaltene Begegnungen und Begebenheiten, die dann eintreten werden, weil es eine universelle Ausrichtung auf die geistige Mitte allen Daseins gibt. Das heißt, das alles um einen herum sich in einer Weise formiert sowie arrangiert, dass man seinem angepeilten Ziel langsam aber sicher unaufhaltsam näher kommt. Denn die Bestimmung des geistbegabten Menschen ist die ihn befruchtende Begegnung mit dem universalen Geist des Lebens, auch Heiliger Geist oder Allgeist genannt. Der Einzelne muss nur in Wahrhaftigkeit wollen und streben. Dann verwirklicht sich das, was in vielerlei Umschreibungen immer nur das eine und alles ist: Die Spiegelung von Selbst und All, zu einer reflexen und beseligenden Erkenntnis der Einheit allen Seins mit dem eigenen Ich. Dann erkennt man den kosmischen Urgrund, gleich wie man nach dem Gesetz der Reflexion von dort erkannt worden ist, was den Tod prinzipiell überwunden sein lässt. Denn die Reflexion mit dem unvergänglichen Universum bedeutet die Aufnahme von Leib und Leben in dessen Unvergänglichkeit, womit sich die Gnosis erfüllt hat.

Anders sieht es bei der Mystik aus, die die Gnosis nicht ersetzen kann. Eine Mystik, die sich ausschließlich über das  Innenleben eines Menschen zuträgt, wird keinerlei gnostische Gotteserfahrung der vorgenannten Art erbringen können. Die Sinneswahrnehmungen abschaltende Selbstversenkung zur Erlangung höherer Weisheiten und auch von Einsichten in die je eigene Existenzweise ist eben nicht mit einer alle Sinne in Anspruch nehmenden Reflexion des Universums zu vergleichen. Auch würden die Erkenntnisse der bekannten und berühmten Mystiker zu konkreten Aussagen über die Existenz von allem geführt haben, was nicht der Fall ist. Alle wichtigen Begriffe wie Geist, Seele, Universum und Leben konnten von ihnen entweder gar nicht oder nur schwammig unzureichend erklärt werden. Während nun die Gnosis in rationaler Beanspruchung den Menschen nachhaltig und weitgehend in die personale Verantwortung nimmt, bleibt der Mensch in der Mystik personal völlig unverpflichtet, wie es eben bei einer emotionalen auf sich selbst beschränkten Beanspruchung auch nicht anders möglich sein kann. 

Wer es nur mit sich selbst und den Ausflüssen seiner selbst zu tun bekommt, der wird in der Regel auch nicht auf die Idee einer hierbei neu entstandenen Verantwortungspflicht gestoßen sein. Ganz anders bei der Gnosis, wo die sowohl rational als auch emotional erlebte Allspiegelung in eine personale Umgestaltung und Neuwerdung ruft, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen hinsichtlich Verantwortung und Verpflichtung. Im Endeffekt deckt die Gnosis als emotionales wie auch rationales Ereignis die Mystik mit ab, so dass sich die echte und wahre Mystik - im Sinne einer tatsächlichen Verbundenheit mit Gott - nur im Rahmen der Gnosis zuzutragen vermag. Auch könnte man dann sagen, dass die Gnosis mit der Gefordertheit aller Sinne die bessere Mystik ist, welche für sich selbst genommen bei einer Selbstversunkenheit zugleich auch einen zwangsläufigen Realitätsverlust mitbringt. Unsere gegenwärtige Existenzweise ist bekanntlich die, dass die sinnlich erfahrbare Außenwelt die objektive Wirklichkeit stellt, und unsere leibseelisch subjektive Innenwelt ihr in jeder Hinsicht untergeordnet ist. 

Nur Gott der Herr ist in seiner Allmacht allein derjenige, der seine subjektive Innenwelt zur objektiven Außenwelt zu kehren und zu bestimmen vermag. Das müssen wir Machtlose ernüchtert zur Kenntnis nehmen, und darauf haben wir uns - wie viele Bibelverse zeigen - zu unserem Heil einzustellen.

 

 

   

 

Jesus war gnostisch und mystisch     ^

 

 

 

Dass Jesus von Nazareth wahrer Gnostiker und Mystiker gewesen sein soll, das klingt in Kirchenohren sicher wie blanke Häresie. Tatsache ist, dass wenn man die Schriften dahin gehend untersucht, sehr schnell und umfangreich fündig wird. Dabei wollen wir uns noch einmal kurz vergegenwärtigen, dass Gnosis die Gotteserkenntnis ist, und die Mystik der Weg dahin. Außerdem hat man sich stets gewahr zu sein, dass man ohne etwas zu erkennen, natürlich auch nichts glauben kann. Vor dem Glauben steht grundsätzlich immer erst einmal die Information. Sie wird in der Regel bei einer Plausibilität mehr oder weniger geglaubt, oder dagegen bei Unstimmigkeit und informeller Überforderung ungläubig verworfen. In beiden Fällen hat bewusst oder unbewusst ein Abwägen der Information stattgefunden, bevor es zur Glaubensentscheidung kam. Denn in den allermeisten Fällen hat man ja keine Möglichkeit die Tatsächlichkeit der dargebotenen Information zu überprüfen. Umgekehrt ist es alsdann so, dass man ohne etwas zu glauben auch nichts erkennen kann. Die Information muss als wahr geglaubt und angenommen werden. Erst damit beginnt man mit ihr zu arbeiten, und entsprechendes Erkennen kann sich einstellen, um schlussendlich in eine weiterführende Erkenntnis zu münden. Wir können also abschließend feststellen, dass Glauben und Erkennen die sich wechselseitig bedingenden Eckpfeiler eines einzigen gemeinsamen Prozesses der Bewusstmachung oder Bewusstwerdung sind.

Den neutestamentlichen Schriften können wir ohne weiteres entnehmen, dass Jesus ein solches Grundverständnis der wechselseitigen Bedingung von Erkennen und Glauben hatte. Die Bibelverse, welche sich auf das Glauben beziehen brauchen hier nicht genannt werden, aber die vom Erkennen schon. Denn vom Glauben redet ja ständig alle Welt und ist sich dessen bewusst, was dagegen beim Erkennen nicht der Fall ist. Nachstehend deshalb lediglich die Verse der Evangelien, in denen hauptsächlich Jesus von der Erkenntnis und dem Erkennen spricht. Aus den Aussagen Jesu folgt sehr klar, dass der Erkenntnis mindestens der gleiche Rang wie dem Glauben zukommt.

 

      A. Der Schlüssel der Erkenntnis

 

 

Lk 11,52 Wehe euch Schriftgelehrten, dass ihr den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen habt! Ihr selbst seid ja nicht hineingegangen, und die, welche hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert!
Wo hätte man für eine Erkenntnis außer in sich selbst noch hineingehen können? In die Erkenntnis als solche? Doch auch die findet ja m Kopf und somit im Inneren des Menschen statt!

 

          B. Die Gotteserkenntnis direkt

 

 

Mt 11,27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand erkennt den Sohn, als nur der Vater; und niemand erkennt den Vater, als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will.
Mk 4,11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes [zu erkennen], denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil,
Lk 8,10 Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den andern aber in Gleichnissen, auf dass sie sehen und doch nicht sehen, und hören und doch nicht verstehen.
Joh 17,3 Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Letztlich ist es ja die Erkenntnis Gottes, die einem das ewige Leben beschert. Und wer Sohn und Vater erkannt hat, der hat dann natürlich auch den entsprechenden Glauben.

 

          C. Ohne Erkennen taugt der dann blinde Glaube zu nichts

 

 

Mt 13,14 und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche also lautet: «Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen!
Mk 4,12 auf dass sie mit Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie nicht etwa umkehren und ihnen vergeben werde.
Joh 8,28 Darum sprach Jesus: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin; und von mir selbst tue ich nichts, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, so rede ich.
Joh 8,32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!
Joh 14,20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Mt 15,14 Lasset sie; denn sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den andern leitet, werden beide in die Grube fallen.
Lk 6,39 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden führen? Werden nun nicht beide in die Grube fallen?

Mt 23,26 Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch das Äußere rein werde!
Wer also glaubt, ohne vorher etwas erkannt zu haben, der gleicht einem Blinden (im Sinne eines Schwachsinnigen), der, wenn er nicht von einem Sehenden geführt wird, in die tödliche Grube fallen wird. Bevor man nach außen hin seinen religiösen Glauben zur Schau trägt, sollte man zuvor durch eine gnostische oder mystische Prüfung gegangen sein, um überhaupt irgend einen Anspruch auf Wahrheit erheben zu können. Und ob der überhaupt und was für eine Wahrheit ist, ist dann noch mal eine ganz andere zu untersuchende Frage.

 

 

   

 

Wir ziehen ein Fazit     ^

 

 

 

Auch wenn die Kirche die Gnostik und Mystik schon seit ihren Anfängen als christliche Methode leugnet, und sie aus ihrem Kanon verbannt hat, so ergibt sich doch aus den Lehren Jesu Gnostik und Mystik eindeutig zum Kernbestand christlicher Glaubensanforderung und Beschäftigungsweise. Hierbei erscheint ergo völlig klar, dass in Anerkennung solcher Gegebenheiten die kirchliche Machtposition erheblich vermindert worden wäre. Die Kirche verwaltet ja den Glauben. Auch gibt sie den Gläubigen vor, was sie wie zu glauben haben. Da gibt es auch für den Glaubenden nichts mehr zu suchen und zu finden. Mit der Kirche findet sich alles vor, was der Glaubenswillige für seinen Glauben braucht. Und mit seiner Eingebundenheit in die Kirche ergibt sich auch gleich noch eine direkte Verbundenheit mit Gott, weil die Kirche den Anspruch erhebt und verteidigt, Sachwalterin Gottes auf Erden zu sein. Doch damit hatte wie schon zuvor die von Jesus hier sehr kritisierte jüdische Kirche danach leider auch noch die christliche Kirche die Schlüssel der Erkenntnis bei sich unter Verschluss genommen (Lk 11,52  und Tho 039).

Dann ist es auch absolut verständlich, dass der so genannte apokryphe (als unecht gebrandmarkte) Thomastext von der Kirche ausgegrenzt wurde, und auch weiterhin von ihr verfemt bleiben muss. Denn dort ist Jesus in seiner Mystik und Gnostik noch um ein gut Stück direkter als in den kanonischen Evangelien, wie uns die nachfolgenden Beispiele mit Auszügen aus dem Thomastext zeigen:

002) Jesus sprach: Wer sucht, der wird finden. Wer an das Innere pocht, dem wird geöffnet. Wer sucht, der suche weiter, bis er findet. Wenn er findet, wird er entsetzt sein, und wenn er entsetzt ist, wird er sich wundern. Über das All wird er herrschen und Ruhe finden. Das zu Suchende und zu Findende befindet sich ergo im (eigenen) Inneren, so dass das gnostisch zu Suchende nur mystisch zu finden ist.

003) Jesus: Wenn die euch verführen, sagen: Seht, das Reich ist oben im Himmel! Und sie hätten recht, dann kämen euch die Vögel am Himmel zuvor. Und wenn sie sagen: Sehet, das Reich ist unten im Meer! Und sie hätten recht, dann kämen euch die Fische im Meer zuvor. Denn das Reich ist in eurem Innern, und es ist auch außerhalb von euch. Indem ihr euch erkennt, werdet ihr erkannt, und ihr erkennt, dass ihr die Kinder eines lebendigen Vaters seid. Aber erkennt ihr euch nicht, dann bleibt ihr in eurem Elend und seid das Elend selbst. Das Reich ist also in einem selbst, und indem man sich in seinem Inneren erkennt, wird man nach dem Spiegelungsprinzip zugleich von außen her erkannt, mit einer dabei stattfindenden Verlegung des Reiches von Innen nach Außen. Im Ergebnis bedeutet das eine Deckungsgleichheit von Innen- und Außenwelt

005) Jesus sprach: Erkenne, was dir vor Augen liegt, und was dir verborgen war, enthüllt sich dir! Denn nichts ist verdeckt, das nicht entdeckt würde, und nichts liegt begraben, welches nicht erweckt würde. Was einem direkt vor Augen liegt, das ist zunächst immer das eigene Selbst oder Ich, doch liegt eben die Wahrheit über einen selbst tief verschüttet in einem selbst.

018) Die Schüler baten Jesus: Sag uns doch, wie unser Ende ist! Jesus sprach aber: Habt ihr denn bereits schon den Anfang entdeckt, dass ihr nach dem Ende fragt? Denn dort wo der Anfang war, da wird das Ende sein. Selig, wer im Anfang steht! Denn er erkennt das Ende, und wird den Tod nicht schmecken. In einem selbst ganz tief innen verborgen liegt der Urgrund nicht nur von einem selbst, sondern auch gleich der allen Daseins, wo Anfang und Ende des Universums in einer gemeinsamen Schnittstelle in eines fallen.

039) Jesus sagte: Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen und haben sie dennoch versteckt. Selbst sind sie nicht hineingegangen, aber sie ließen auch diejenigen nicht hineingehen, die es wollten. Die Schlüssel der Erkenntnis ist der Zugang zu einem Selbst bzw. seinem verborgenen Inneren. Die Kleriker haben diese damit bestens versteckt, dass sie überall äußeres liturgisches Blendwerk mit unnützen Altären aufgebaut haben, worin sich die Glaubenswilligen verfangen sollen, um dadurch vom Zugang zum eigenen Inneren weggelenkt den kirchlichen Interessen dienen zu können.

046) Jesus sagte: Von Adam an ist unter den von Frauen Geborenen keiner, der Johannes den Täufer übertrifft, und der vor ihm nicht die Augen senken müsste. Jedoch ich sage euch: Wer ein Kind wird, der wird das Reich erkennen und Johannes übertreffen. Anforderung. Wer in das eigene Innere zum Ursprung allen Seins für die Gotteserkenntnis vordringen will, der kann das immer nur mit einer alle Rationalität ausschaltenden und restlos hingebenden kindlichen Offenheit schaffen. 

078) Jesus: Wozu seid ihr in denn die Wüste gekommen? Wolltet ihr sehen, wie ein Schilfrohr sich im Wind beugt? Wolltet ihr einen Menschen sehen, der weiche Kleider trägt? Dann geht zu Königen und vornehmen Leuten! Denn sie tragen weiche Kleider, und können die Wahrheit nicht erkennen. Um zur Wahrheit des Daseins tief im eigenen Inneren vordringen und sie dort erkennen zu können, bedarf es als Voraussetzung immer eines echten geistseelischen Abstandes zu den weltlichen Dingen, jedoch keiner - wie häufig verkannt wird - asketischen Weltentsagung.

 

 

   
 

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